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13 Mufflons überleben die Jagd nicht

GÖRITZ - Dampf steigt auf an der Jagdhütte Göritz. Aus den aufgebrochenen Körpern toter Tiere dampft es, der Schnee bedeckt die Leiber von Reh, Wildsau und Mufflon. Langsam trudeln die Autos mit Anhänger ein, um die geschossenen "Stücken" zur "Strecke" zu bringen. Fachsprache beherrscht die Unterhaltung der knapp 100 Jäger und Treiber, die sich zur Muffel-Treibjagd im Revier Göritz und Stackelitz getroffen haben. Von Blattschüssen und laufkranken Tieren ist die Rede. Warme Suppe und Glühwein hilft den vielen Männern - und ein paar Frauen - wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. "Dabei hatten wir noch Glück mit dem Wetter, den Vormittag über hat es wenigstens nicht geschneit", fasst Jagdleiter Carsten Bergholz den Jagdtag zusammen.

 

"Mit dem Muffelwild hat es wie erhofft endlich geklappt im vierten Anlauf", berichtet er. Die "Strecke" ist bunt gemischt - sechs Stücke Rotwild lagen neben 18 "Stücken" Damwild und der gleichen Anzahl Schwarzwild. Dazu kamen 22 Rehe, 13 Mufflons. Und sogar ein Fuchs hat das Zeitliche gesegnet und liegt nun einsam neben den auskühlenden Tieren, die noch vor Ort ausgenommen worden sind. "Aufbrechen", sagt der Jäger dazu.

Das Ziel der Jagd war ja vor allem das Mufflon, das in den letzten Jahren beträchtliche Schäden im Fläming angerichtet hat. Die Tiere, die sich wohl vor 20 Jahren aus einem Gatter in die Freiheit stahlen, vermehrten sich unkontrolliert - und sind schwierig zu bejagen. Lernfähig sollen sie sein, und ausgesprochen scheu. Dennoch muss der Bestand dezimiert werden. Nicht nur das Ökosystem leidet unter den Einwanderern - umgekehrt ist die hiesige Landschaft für die Tiere, die sonst auf Korsika und Sardinien heimisch sind, nicht gerade zuträglich. Die Hufe können sich auf dem meist weichen Boden des Fläming nicht abnutzen, in der Folge haben viele Tiere Krankheiten und verwachsene Läufe.

Erfolgreich war die Jagd für die Schützen. Von den 80 angetretenen Jägern wurden insgesamt 77 Tiere erlegt. "Das ist ein hervorragendes Ergebnis", lobt Carsten Bergholz seine Jagdschar. Und auch mit den Treibern waren die Veranstalter hochzufrieden. Sehr diszipliniert seien sie gewesen. Für diese Tätigkeit braucht es keine spezielle Ausbildung, im Abstand von etwa zehn Metern laufen sie unter Anleitung eines revierkundigen Führers durch den Wald und treiben dem Jäger das Wild vor das Gewehr. Jäger dagegen müssen einen Jagdschein nachweisen, um mitmachen zu dürfen.

Die besten Schützen pro Tierart werden beim Verblasen der Strecke dann noch mit einem "Bruch" geehrt - ein Fichtenzweig. Alte Jägertradition. Genauso die Präparation der Jagdtrophäen. Die Köpfe der toten Tiere kosten bis zu 150 Euro. Darunter ist auch ein stattlicher Zwölfender.

Unter den Schützen ist Hermann Gründer aus den Niederlanden. Er ist schon seit zehn Jahren in der Gegend von Wörpen. "Das Jagen hier ist ganz anders als in Holland. Da gibt es Niederwild - und die Jagd auf Schalenwild ist nicht zu bezahlen", erzählt er. Gründer war erfolgreich - ein Dam-Kalb hat er "gestreckt". Es lief als Letztes eines Rudels, war sehr mager und bewegte sich auch seltsam. "Das wäre sowieso nicht durch den Winter gekommen", meint Gründer. Hege und Pflege - das ist ihm wichtig. "Es ist nicht so, dass man bei allem, was man sieht, den Finger krumm macht - man muss auch für Nachwuchs sorgen. Aber es darf nicht überhand nehmen", erläutert er die Grundzüge der Wildpflege. Das geschossene Wild wird auch wirtschaftlich verwertet. Der Wildhandel Fläming aus Treuenbrietzen holt den Großteil der Tiere ab. Wer will, kann seine eigene Jagdbeute auch direkt kaufen. Solange die Tiere herrenlos durch den Forst huschen, gehören sie niemandem. Sobald sie erlegt sind, sind sie aber Eigentum des Landbesitzers. Im Fall der Göritzer Treibjagd ist das Land Sachsen-Anhalt. Die Tiere werden also vom Landesforstbetrieb verkauft. Diesmal gibt's auch Mufflon. Hintergrund: Mufflons werden selten geschossen Die Ansitzdrückjagd fand revierübergreifend in den Gemarkungen Coswig, Wörpen, Möllensdorf und Griebo statt. Dabei wurden etwa 2500 Hektar Wald und Feld von 150 Jägern bejagt. Erlegt wurden insgesamt 23 Mufflons, sieben Stücke Rotwild, 30 Stücke Damwild, 30 Wildschweine und 36 Rehe. Gerade die Zahl der erlegten Mufflons ist ein hervorragendes Ergebnis, werden im Schnitt sonst nur zwei pro Jahr geschossen. Der Forstbetrieb Anhalt verfügt über sieben Landesjagdbezirke mit einer Fläche von 35 000 Hektar. Im Schnitt werden hier pro Jahr 220 Stück Rotwild, 750 Stück Damwild, 1 300 Wildschweine und 1 800 Rehe erlegt. Treibjagden werden im Kreis immer wieder organisiert. Vor Weihnachten fand eine große in der Dübener Heide statt.

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